3. Internationales Bodensee-Forum

Internationales Bodensee-Forum weist Einkäufern Wege aus der Krise   

Die schwunghafte Konjunktur hat auch die Wirtschaft der Bodensee-Region erreicht. Auf dem 3. Internationalen Bodensee-Forum für Einkauf und Materialwirtschaft in Dornbirn (Vorarlberg) wurde den 80 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz deshalb vermittelt, wie sich Geschäftsabläufe im Zeichen wieder vollerer Auftragsbücher optimieren lassen.

„Die meisten Unternehmen haben die Finanz- und Wirtschaftskrise überstanden und blicken optimistisch in die Zukunft. Das gilt besonders für das stark exportabhängige Baden-Württemberg“, betonte Paul Hofmann , Vorsitzender der BME-Region Bodensee-Oberschwaben. Er hatte den Meinungs- und Erfahrungsaustausch gemeinsam mit der Region Bodensee des Schweizerischen Verbandes für Materialwirtschaft und Einkauf (SVME) sowie dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) organisiert.

Gastgeber war erneut das Wirtschaftsförderungs-Institut der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WIFI), dem Hofmann für die Schaffung der „in jeder Hinsicht idealen Voraussetzungen zur erfolgreichen Durchführung dieser Veranstaltung mit Best-of-class-Anspruch“ dankte.  

Auf dem Höhepunkt der ökonomischen Verwerfungen hatte auch die Industrie im Dreiländereck mit Kurzarbeit, Entlassungen und Insolvenzen zu kämpfen. „Der Informationsbedarf hinsichtlich Risikomanagement und Kostenoptimierung ist bei allen Unternehmen der Bodensee-Region weiter sehr hoch. Vor diesem Hintergrund versucht unser Forum, konkrete Antworten und Lösungen anzubieten, wie die Firmen gestärkt aus der Krise hervorgehen können“, erläuterte Hofmann das Konzept der diesjährigen Veranstaltung.  

Zu Beginn des Bodensee-Forums stellte Heinz Pechek , geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ), „wirkungsvolle Maßnahmen des Einkaufs in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“ vor. So könnte ein Hebel zur Optimierung der Beschaffungsprozesse die noch engere Zusammenarbeit zwischen CPO und CFO sein. Die erfolgreiche firmeninterne Zusammenarbeit zwischen Einkauf  und kaufmännischer Leitung helfe auch, mögliche Geschäftsrisiken zu begrenzen. Gerade in schwierigen Zeiten komme der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Schlüssellieferanten und deren Flexibilität eine entscheidende Rolle zu. Immer mehr Unternehmen hielten es deshalb für wichtig ihre Lieferanten in einer schwierigen Situation, z.B. durch verbindliche Abnahmegarantien oder Verkürzung des Zahlungszieles, zu unterstützen.  

Dr. Silvia Eisele , Head of Customs & Support der OMV-solutions GmbH, Wien, erläuterte, welche Kennzahlen die Unternehmen gerade jetzt im Aufschwung brauchen, wie sie ihre Lieferantenbeziehung mit Kennzahlen steuern bzw. wie sie die Performance des Einkaufs durch Kennzahlen messen. Wichtig sei nicht, dass man möglichst viele Kennzahlen erhebe. Die Firmen sollten stattdessen zum richtigen Zeitpunkt die richtigen aussagefähigen Kennzahlen, die die Entscheidungsbasis verbessern helfen, verwenden. 

Thomas Zellweger , Verwaltungsratspräsident  der Zelith Holding AG und CEO der Zellweger Management Consultants AG, Pfäffikon, nannte Optimierungspotenziale auf dem Weg zu einer leistungsfähigen Beschaffung. Ein straff und effizient organisierter Einkauf könne das profitable Unternehmenswachstum nachhaltig unterstützen. So seien die Optimierungspotenziale und Konzepte für die Steigerung der Einkaufsleistung und Kostensenkung zwar bekannt. Die Umsetzung werde aber von den Unternehmen häufig nicht zielgerichtet verfolgt. Global Sourcing bzw. Standortverlagerungen müssten ebenfalls klaren strategischen Absichten folgen. Sie bedürfen einer strukturierten Beschaffungsmarktforschung, um erfolgreich sein zu können.  

Joram Rosenthal , Leiter Einkauf der Erich Rohde GmbH, Schwalmstadt, erläuterte, wie in einem schwierigen Umfeld, nach einer Insolvenz, dem Einstieg eines Private-Equity-Unternehmens im Jahre 2008 und dem Austausch des gesamten Managements, in kurzer Zeit substanzielle und nachhaltige Kosteneinsparungen erzielt werden mussten. Er stellte auch dar, welchen Beitrag der Einkauf hierzu leistete. Von Anfang an intensiv begleitet wurde dieses Projekt, das eine völlige Neuausrichtung des Einkaufes zur Folge hatte, von der BrainNet Supply Management Consultants AG.  Anhand eines Benchmark-Vergleiches von Einkaufsorganisationen ergab sich, dass der Einkauf in wichtigen Themen erheblichen Verbesserungsbedarf hatte. Als wesentliche Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Senkung der Einkaufskosten erwiesen sich dabei die strategische Neuausrichtung des Einkaufs, die Professionalisierung und Schulung der Mitarbeiter, die Optimierung der Geschäftsabläufe sowie die pragmatische Optimierung der Systemlandschaft mit zum Teil sehr einfachen aber wirkungsvollen Tools. So seien beispielsweise beim Ledereinkauf völlig neue Wege beschritten worden, in dem die Firma Rohde alle potenziellen Anbieter gemeinsam zu einer Konferenz einlud. Ziel sei es gewesen, eine Ausschreibung zu lancieren und wesentlich mehr Preistransparenz zu schaffen.  

Frank Rösch, BME Frankfurt



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